Freitag, 30. Mai 2014 | By: maran79

Spinnenkuss von Jennifer Estep




Im Verborgenen lauern, mit der tödlichen Geduld einer Jägerin. Kalt und erbarmungslos sein, wenn es die Situation erfordert. Diese Eigenschaften kann Gin Blanco ihr Eigen nennen, denn sie ist die berüchtigte Spinne. Eine Attentäterin ohnegleichen.
Und diese Fertigkeiten, das hat sie sich geschworen, werden diejenigen zu spüren bekommen, die ihr eine Falle gestellt und ihren Mentor gequält und getötet haben. Nun richtet sich ihre ganze Wut auf die Drahtzieher. Um diese zu fangen, ist sie sogar bereit, sich  mit dem Polizisten Donovan Caine einzulassen. Einem Mann, der sie seit Jahren jagt und zur Strecke bringen will.






Düstere Farben, eine Frau mit ernstem Blick und dazu noch das mysteriöse Symbol. Das Cover zu "Spinnenkuss" finde ich passend und durchaus gelungen.





Einige Bücher stechen durch ihre Geschichten hervor, andere durch die Reaktionen, die sie in den Lesern hervorrufen. Manche strotzen vor vielfältigen Charakteren, die den Wunsch erwecken, mehr von ihnen zu erfahren. Spinnenkuss gehört für mich definitiv zu den Büchern, die aus der Masse hervorstechen.
Die Geschichte mag ähnlich sein wie viele andere. Eine Heldin, die einen geliebten Menschen verloren hat und sich rächen will. Herausragend an diesem Buch sind mit Sicherheit die Charaktere. Beim Lesen dachte ich die ganze Zeit nur: Wow!
Es gibt Geschichten mit beinharten Protagonisten, dennoch handeln sie in manchen Situationen wider ihrer Natur. Bei Gin Blanco hatte ich niemals dieses Gefühl. Der Mord an ihrer Familie, hat aus dem jungen Mädchen eine eiskalte Frau erschaffen, die weiß, dass man nichts in der Welt umsonst bekommen kann. Alles hat seinen Preis! Sogar ein Moment der Unvorsichtigkeit kann ein Leben kosten. Dementsprechend lebt und handelt sie.
Was ich  bei Büchern besonders gerne lese, sind spannende Elemente, die mich immerzu bei Laune halten, aber auch Gefühle. Ein Buch ohne Liebe ist nichts für mich. Nun mag das mit einem Charakter, wie Gin Blanco ihn besitzt, nicht leicht zu vereinbaren sein. Wegen ihrer Persönlichkeit ist es schwer zu glauben, sie würde sich mir nichts, dir nichts verlieben. Die Autorin hat dieses Kunststück tatsächlich gemeistert. Sie benutzte für Gin nicht vordergründig Liebe, sondern sexuelle Erregung. Beim Lesen hatte ich deswegen nicht ein einziges Mal das Gefühl, dass der Charakter aus der Rolle fällt.
Ebenfalls ausgefallen sind die magischen Elemente in Spinnenkuss. Ich fand es interessant über eine Auftragsmörderin zu lesen, die über das Element Stein verfügt, sich jedoch weitestgehend davon distanziert, diese magischen Kräfte zu benutzen. Gin bevorzugt ihre körperliche Stärke und ihre Sinne bei ihren Aufträgen. Auch sehr auffallend wurden die Runen beschrieben, die mit diesen Elementstärken in Verbindung traten. Dies machte die Welt um Gin so facettenreich.





Gin Blanco, als Kind verlor sie ihre ganze Familie an einen Feuerelementar. Bis heute wurde dieser nicht gefunden und Gin trägt immer noch die Narbe an ihrer Hand, die sie in dieser Nacht durch Folter erhalten hat.
Vor diesem Charakter ziehe ich den Hut, wie dieses Sprichwort schön sagt. Er ist so vielfältig und komplex. Gin findet nichts Schlimmes daran für Geld zu töten, dennoch hält sie sich an besondere Regeln. Genau das hat mir imponiert. Sie tötet keine Kinder und in manche Situationen wirkt sie fast wie ein normaler Mensch, dennoch ist beim Lesen immer dieses unterschwellige Gefühl da. Als Leser vergisst man niemals, wie gefährlich Gin sein kann.  Aus einer langen Reihe von Büchern, die ich gelesen habe, kann ich sagen, dass besonders dieser Charakter das Buch so einmalig macht.


Donovan Caine, ein Polizist und Saubermann. Schon seit Jahren ist er auf Gin Blancos Spur. Als er sie endlich trifft, rettet sie ihm das Leben. Nichts ist Schlimmer für ihn, als in der Schuld einer Frau zu stehen, die seinen Partner getötet hat. Dennoch ist er gezwungen mit ihr zusammen zu arbeiten, um die Korruption in seinem Department aufzudecken.
Um ehrlich zu sagen, war ich von diesem Charakter etwas enttäuscht. Donovan wurde gut beschrieben und ich empfand ihn auch als attraktiv, trotzdem war er mir irgendwie zu glatt. Er passte zu gut in einer Schublade und wirkte dadurch leicht fade. Für einen Hauptcharakter darf das nicht der Fall sein. Die Anziehungskraft zu Gin wurde glaubwürdig beschrieben, aber er hatte keinen Hintergrund. Es wurde nichts über seine Familie erzählt oder warum er so sehr versucht, ein guter Polizist zu sein.

Fletscher Sohn, Finn, stach im Gegensatz zu Donovan hervor. Die Beziehung zwischen ihm und Gin ist besonders, sie sind wie Bruder und Schwester. Finn wird als ein Mann beschrieben, der eine besondere Vorliebe für Frauen und Geld hat. Ich fand ihn immerzu interessant und sehr vielseitig. Die Gespräche zwischen den beiden waren manchmal sentimental und manchmal urkomisch. Man spürte sofort ihre Verbundenheit.




Spinnenkuss ist der erste Teil der Elemental Assassin-Reihe. Sprachlich empfand ich das Buch als sehr ausgereift. Die Geschichte schreitet spannend voran und obwohl der erste Band in sich abgeschlossen ist, erfährt der Leser am Ende, dass die Geschichte weitergehen wird. Das hielt die Spannung oben und erweckte in mir den Wunsch, mit dem nächsten Band fortzufahren.
Besonders fasziniert hat mich der Hauptcharakter Gin Blanco. Ich kann ohne Reue behaupten, dass ich lange nicht mehr über einen so komplexen Charakter gelesen habe. Gin Blanco und ihre Geschichte sind es wert 5/5 Herzen zu bekommen.






Zudem möchte ich mich herzlich bei

                                                      für das Rezensionsexemplar bedanken


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