Samstag, 21. Dezember 2013 | By: maran79

Lost Land - Die erste Nacht - Jonathan Maberry


- Die Grausamkeit der Toten verblasst im Angesicht des Menschen - 







Vierzehn Jahre nach der Ersten Nacht, in der die Toten als Zombies zurückkehrten, hat sich alles verändert. Fast die gesamte Weltbevölkerung wurde dezimiert, die letzten Überlebenden verbarrikadieren sich hinter Zäunen und versuchen die Erinnerungen an diese Nacht zu verdrängen.
Der fünfzehnjährige Benny Imura lebt zusammen mit seinem älteren Bruder Tom in dem kleinen Städtchen Mountainside, umgeben von einem Ödland voller Zombies. Nach all den Jahren hat sich die Situation einigermaßen stabilisiert. Die Menschen haben sich eingezäunt und verdrängen alles, was sich außerhalb der Stadt befindet.
So sieht auch niemand genau hin, als Benny eine besondere Zombiekarte erhält, auf dem ein Mädchen mit schneeweißen Haaren abgebildet ist, das man Das verlorene Mädchen nennt. Die Kopfgelgjäger, die er immer für Helden gehalten hatte, entpuppen sich als das genaue Gegenteil, denn ein Geheimnis umgibt das verlorene Mädchen Lilah und sie wollen dieses um jeden Preis bewahren, sogar mit Bennys Leben.






Ich hatte nicht damit gerechnet ein Jugendbuch in der Hand zu halten, besonders nicht bei dem Cover. Es wirkt düster, genau wie es für eine Dystopie sein sollte. Erst nach dem Lesen unterhielt ich mich mit einer Freundin darüber und sie verwies mich darauf.
Im Endeffekt muss ich sagen, die Geschichte ist grausam, aber nicht was blutige Szenen von zerreißenden Innereien betrifft, sondern man bekommt einen Eindruck vermittelt, zu was manche Menschen fähig werden. Wie einige sich womöglich verhalten, wenn nach einer solchen Katastrophe jegliche Gesetze nichtig würden und nur das Recht des Stärkeren gilt.

Die Geschichte wird aus Bennys Sicht erzählt. Die Stadt, in die er aufwächst, gibt ihm Sicherheit. Er hört von dem Ödland, von den vielen Toten, sieht sie auch oft an der Umzäunung, aber noch nie war ihm so sehr bewusst, was mit der Welt geschehen ist, bis er mit seinem Bruder das Städtchen verlassen muss, um einen Angehörigen zu befrieden. So wird ein Abschluss genannt, wenn eine Familie bereit ist einen, zu einem Zombie mutierten Angehörigen, endgültig sterben zu lassen.
Die Welt hinter der Umzäunung, welche die Stadt umschließt, ist nicht wie er sich vorgestellt hat. Helden entpuppen sich als ein Ausbund an Grausamkeit und sein Bruder, den er immer für einen Feigling hielt, erscheint ihm mit einem Mal wie ein fremder Mensch. Die letzte Stütze der Gerechtigkeit in einer verlorenen Welt.

Beim Lesen hatte ich das Gefühl in einem Western zu sein. Vielleicht lag das an dem Ödland, oder an den Pferden, vielleicht auch daran, dass die Überlenden so gut wie jeden Fortschritt wegen ihres Aberglaubens hinter sich gelassen haben. Nichts soll sie an die alte Welt und besonders an die erste Nacht erinnern. Keiner spricht darüber. Die nächste Generation wächst in diesem selbst auferlegten Käfig auf, aber man merkt gleich, die Kinder werden sich auf keinen Fall in der Stadt verstecken und den gleichen Weg wie ihre Eltern gehen.
Ich würde gerne viel mehr von dem Inhalt schreiben, möchte aber nicht zu viel verraten.





Die Charaktere im ersten Bandes von  Lost Land sind vielschichtig und brillant ausgearbeitet.

Benny ist der typische Teenager, der zu Beginn für seinen Bruder nur Geringschätzung übrig hat. Dies gründet darauf, da seine jüngste Erinnerung ihm zeigt, wie Tom vor vierzehn Jahren mit ihm in den Armen floh und seine Mutter zurückließ. Man erlebt nach und nach wie er an den Geschehnissen wächst. Wie seine unbeschwerte Kindheit verschwindet und er sich langsam in einen jungen Mann verwandelt, der bereit ist alles zu geben für jene die er liebt.

Tom Imura  steckte vor der ersten Nacht mitten in der Ausbildung zum Polizisten. Heute ist er ein Krieger. Mit seinem Katana zieht er durch das Ödland um Zombies nach Auftrag zu befrieden. Man merkt ihm förmlich seine Einsamkeit an. Von Anfang an wird dem Leser vermittelt, wie gefährlich er sein kann, wenn man sich mit ihm anlegt.
Im Nachwort las ich, dass Tom der Favorit vieler war, ich gehöre eindeutig dazu! Er ist moralisch korrekt, kümmert sich die ganze Zeit um seinen Bruder und sieht auch nicht weg, wenn vor seinen Augen ein Unrecht geschieht. Diesen Gerechtigkeitssinn versucht er Benny zu vermitteln.

Der nächste Charakter, Nix, wird ebenso gut dargestellt. Das Mädchen weiß, die Leute in dem Städtchen verschließen die Augen. Sie sind nicht bereit ihre heile Welt zu verlassen, oder sich zu erinnern. Mir kam Nix trotz ihrer Jugend sehr weise vor. Besonders als ein harter Schicksalsschlag sie trifft, verkümmert sie nicht, sondern entwickelt sich zu einer starken jungen Frau.

Über das Verlorene Mädchen erfährt man in dem ersten Teil nur sehr wenig. Gerüchte ranken sich um sie. Sie soll eine sehr gute Zombiejägerin sein. Außerdem muss sie etwas Schlimmes durchlebt haben. Benny kennt sie nicht, doch als er sie auf der gezeichneten Karte zum ersten Mal sieht, spürt er eine tiefe Verbundenheit zu ihr, denn in ihren Augen erkennt er einiges wieder. Sie ist der rote Faden, der die Geschichte zusammenhält, der die Geschicke Bennys und seines Bruders lenkt.




Trotz der schwierigen Thematik bin ich der Meinung, Lost Land kann durchaus von Jugendlichen gelesen werden, aber nicht nur. Mit gut durchdachten Charakteren und einem sehr guten Plot ist Lost Land auch etwas für die Erwachsenen. Das Besondere an dieser Geschichte und was sie für mich so einzigartig macht, hier erkennt man: Der Hunger der Zombies verblasst im Angesicht der Bosheit mancher Menschen.

Ich kann diese Geschichte guten Gewissens weiterempfehlen. Jonathan Maberry ist New-York-Times-Bestseller und wurde bereits mehrfach mit dem Bram-Stoker-Award ausgezeichnet. Meiner Meinung nach, zu Recht!
Falls  Eltern sich unsicher sind, ob dieses Jugendbuch etwas für ihre Kinder wäre, empfehle ich es ihnen zu lesen. Ich bin auch Mutter und wurde bestens von dem Buch unterhalten.

Aufgrund des Lesevergnügens vergebe ich eine Leseempfehlung und  5/5















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