Dienstag, 17. Dezember 2013 | By: maran79

Der Junge, der Glück brachte - Nicholas Vega

"Glück ist Wasser in deiner Hand, es bleibt immer etwas für dich zurück"



                                                      


Lynettes Welt bricht zusammen, denn ihre Mutter verstirbt bei einem tödlichen Unfall. Überfordert mit der neuen Lebenssituation und ihrer Trauer zieht sie sich immer mehr in sich zurück. Außerstande dem Kummer zu entfliehen, lässt sie sich von der Geschichte des Jungen, Jeronimus, gefangen nehmen und erlebt Abenteuer, die weit über Buchseiten hinausgehen.













Was würde mich bei diesem Buch erwarten? Jugendbuch, das wusste ich. Lese ich viele Jugendbücher? Eigentlich nicht, aber es wurde mir von jemandem empfohlen, dessen Urteil ich sehr vertraue. Vom schriftstellerischen Können des Autors wusste ich ja aufgrund seines ersten Buches, Demor. Dieses war gute Fantasy, aber würde dieses Buch es auch schaffen, meine hohen Erwartungen zu erfüllen?

Ja, das kann man der Bewertung entnehmen, aber hier einige Dinge, die mich zu den fünf Sternen verleitet haben:

Die Geschichte beginnt mit der Familie Wilken. Vater, Mutter, der älteste Sohn Leif - ein Herumtreiber, die vierzehnjährige Lynette, die etwas jüngere Kessie und der kleine Bruder Theo. Eine ganz normale Familie, nicht reich, aber sie kommen über die Runden.

Lynette ist eine typische Vierzehnjährige mit den Launen einer Vierzehnjährigen. Das wurde sehr gut rübergebracht. Sie stellt sich gegen Modezeitschriften und dem Motto, Mädchen müssten süß sein und lächeln. Von Anfang an hat man dadurch eine innige Verbindung zu ihr. Sie ist nicht das megatolle, wunderschöne Püppchen, das so oft in Geschichten verwendet wird und genau das brachte mich ihr nahe. Sie ist... eine von uns.
Als ihre Mutter stirbt, fühlt man mit ihr. Der Mittelpunkt ihres Lebens wurde von ihr gerissen. Es gibt sie nicht mehr, die allwissende Mutter, die sich jeder Sorge angenommen hat. Überfordert mit einem Vater, dem selbst alles über den Kopf zu wachsen droht und dadurch verantwortlich für ihre zwei jüngeren Geschwister, schlittert sie von einem deprimierenden Tag in den nächsten. Unfähig in der Schule die gewünschte Leistung zu bringen, entfremdet sie sich sogar von ihrem besten und einzigen Freund Sascha. Als sie wegen des Todes ihrer Mutter vergisst einige ausgeliehene Spiele zurückzugeben und sie aufgrund Geldmangels weder die Mahngebühren noch den Betrag bezahlen kann, bricht sie vor dem Besitzer des Spielverleihs in Tränen aus.

Nun dachte ich zum ersten Mal beim Lesen dieses e-books: Hey, der Typ wird als grummelig beschrieben. Ständig murmelt er, er könne keine Rücksicht nehmen, denn Rücksicht würde seine Rechnungen nicht bezahlen, daher kam es mir etwas unglaubwürdig vor, dass er Lynette aufgrund ihrer Tränen ein Buch überlässt, obwohl sie noch nicht einmal die Spiele bezahlen kann. Jahaaa! Das dachte ich, bevor ich das Buch fertig gelesen hatte. Verraten werde ich hier nichts, das müsst ihr selbst herausfinden ^^

Also weiter. Der Alltag gleicht einer Hölle. Sie muss Hausaufgaben erledigen, fühlt sich außerstande diese zu tun. Kessie ist ohnehin zickiger als gewöhnlich und der junge Bruder droht aus dem Fussballteam zu fliegen, sollte der Vater die Rechnungen nicht bezahlen können. Eher begierigt schlägt Lynette das Buch auf, bereit der natürlichen Welt zu entfliehen, die dunkler als der schlimmste Albtraum auf sie wirkt.

Immerheim ist eine fantastische Welt voller Wunder, in der Katzen Jeronimus Streiche spielen und Kröten das Komando über den Turm innehaben. Selbst Bänke fliehen neckend vor den Allerwertesten derjenigen, die sich kurz ausruhen wollen. Der Lord dieser Welt ist ein sensibler, neunjähriger Junge, der sich selbstlos um die Belange der Bewohner Kanderbrucks kümmert. Den Leuten schenkt er das, was alle von uns begehren: Glück!

Lynette verbringt immer mehr Zeit mit dem Lesen des Buches, bis sie sich auf einmal in dem Turm wiederfindet, der Jeronimus' Zuhause ist. Die Grenzen beider Welten drohen immer mehr zu verschwinden. Lynette flieht vor dem Alltag nach Immerheim, aber je länger sie dort verweilt, umso mehr wird ihr bewusst, der Junge, der Glück bringt, ist selbst nicht glücklich. Zu groß ist die Sehnsucht danach, einen Blick auf die Welt hinter den bekannten Grenzen zu werfen. Doch dies wird ihm von dem Schattenmann verwehrt, dem er die Schuld daran gibt, jedes Mal nach dem Einschlafen in dem Turm zu erwachen.
Nur die weiße Frau könne ihm helfen diese Ketten zu sprengen und er sieht in Lynette die Kriegerin, die ihm tapfer zur Seite steht um diese Aufgabe zu meistern.

Nun habe ich genug von der Geschichte verraten. Je mehr man liest, umso klarer wird, die Reise steuert auf eine Ende zu, allerdings wusste ich lange nicht, was für ein Ende diese Geschichte nehmen würde.
Sie erzählt von einem gebrochenen Herzen, das lernen muss zu heilen. Von einer Wand des unendlichen Vermissens, welche unüberwindbar scheint. Wie man lernen muss nach vorne zu sehen und das Leben so zu nehmen wie es ist: Vergänglich, aber mit unendlich vielen Wundern bestückt.




Gekonnt wurde ich durch zwei Welten geführt. Der Schreibstil, die Art Immerheim zu beschreiben, ringt mir Bewunderung ab. Mit sorgfältig ausgewählten Worten wurde die Geschichte für den Leser erschaffen.
Beim Lesen überkam mich an wenigen Stellen das Gefühl des Erkennens, allerdings lasen sich diese als mit eingeflossene Sätze, die dem Leser zeigen, von wem Nicholas Vega als Autor geprägt wurde. Im Nachhinein weiß ich, er ist ein Fan guter alter Fantasy und kennt sich bestens mit Videospielen aus ^.^

Nun, am Ende angelangt, kann ich definitiv sagen: Der Autor hat mich gepackt! Hoffentlich folgen noch eine Menge derartiger Bücher, denn dieser Indie-Autor kann locker mit den vielen Verlagsautoren mithalten =)

Ich vergebe eine Leseempfehlung und  5/5



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